
In dem Hochhaus in Köln-Ostheim, wo wir wohnten, wohnte auch die Familie Secchi. Die Secchi-Schwestern -alle mit der gleichen krausigen Frisur- halfen mir eine Arbeit in einer großen Wäscherei zu finden, wo sie selbst schon seit Längerem arbeiteten. Die Wäscherei ähnelte einer kleinen
Fabrik, in der meist Bettwäsche aus Gefängnissen, Krankenhäusern und Hotels gewaschen wurde.Ich wurde einem Mädchen aus Kalabrien zugeteilt, die mir mit überschäumender Spontanität sofort mitteilte: "Mach dir keine Sorgen, das ist eine Arbeit für Idioten, und du siehst gar nicht so dumm aus!".

Die Kalabresin war ein sehr hübsches Mädchen im Alter von etwa 22 Jahren mit leuchtend schwarzen, langen Haaren (später musste ich feststellen, dass ihr Kopf von Kopfläusen bevölkert wurde), zwei grünen Augen, die ich grüner nie mehr wiedersah und einem vereinnahmendem Lachen. Sie lachte immerzu und erzählte Witze in ihrem Dialekt, den ich aber nicht verstand, aber mitlachte, um sie zufrieden zu stellen.
Sie war sehr zynisch und es gefiel ihr sehr die anderen Arbeiterinnen zu hänseln. Für die jüngste Secchi-Schwester war die Kalabresin, die anziehendste Person in der ganzen Wäscherei und sie lachte immer über alles, was sie sagte, auch wenn es auf ihre Kosten ging.
Die Mittagspause war der größte Spaß und verflog immer wie im Fluge. Im Raum, wo wir aßen, befanden sich drei Tische und einige Stühle, die den letzten Krieg überlebt hatten. An einem Tisch setzen sich die deutschen Arbeiterinnen, am zweiten Tisch die türkischen Arbeiterinnen und am dritten Tisch setzten wir uns hin, die italienischen Arbeiterinnen, oder besser gesagt die sizilianischen, kalabresischen und sardischen Arbeiterinnen.

Bevor die Gerüche der einzelnen Speisen, die jeder von zu Hause aus mitbrachte, sich am Ende zu einer unentzifferbaren Geruchsmasse vermischten, stieg aus jeder Ecke ein anderer Duft empor: Kaffee, Butter und Fleischwurst aus der Ecke der Deutschen, Zwiebel, Huhn und Suppenduft aus der Ecke der Türken und Peperoni, Artischocken, Frittata und Auberginenkoteletts aus unserer Ecke. Die meisten Arbeiterinnen dachten die Auberginenkoteletts seien aus Fleisch und die Kalabresin, die sie jeden Tag mitbrachte, tat alles dafür, um die anderen im Glauben zu lassen, sie könne sich jeden Tag Fleisch leisten.
Geschichte von Giusi Vicenzino, 2009.
Übersetzung: Cettina VicenzinoZur Autorin:
Giuseppa Vicenzino, geboren in Militello Val di Catania lebt seit über 30 Jahren auf Sizilien, nachdem sie ihre Jugend in Deutschland verbracht hat.
An der Seite ihres Mannes arbeitete sie lange Zeit in der Touristikbranche, bevor sie sich nach der Geburt ihres dritten Kindes voll und ganz der Familie widmete. 2009 schrieb sie für das Kochbuch Mamma Maria! 9 Anekdoten.
2012 wurde sie durch den Ortsverband von Fiumefreddo als seine Kandidatin für die Bürgermeisterwahl aufgestellt. Rita Borsellino sendete ihr daraufhin eine Videobotschaft als Unterstüzung für die Wahl. Zugleich ist sie internes Beiratsmitglied derselbigen Liste.
Die Entscheidung der Liste "Fiumefreddo onesta" beizutreten, rührt aus der Begegnung mit einer Gruppe junger Menschen aus Fiumefreddo, deren Engagement und Enthusiasmus sie angesteckt haben.
Giusi, Pina, Pippa, Giuseppa oder auch Giuseppina (Foto rechts) ist meine älteste Schwester und ist und bleibt das schönste Mädchen, das ich je gesehen habe.