Montag, 7. März 2011

Monaco, Italia. Storie di arrivi in Germania





Der in der Lombardei geborene und in München lebende italienische Kultur- und Gesellschaftskorrespondent, Journalist, Produzent und Filmemacher Alessandro Melazzini hat einen sehr schönen Dokumentarfilm über italienische Gastarbeiter in München gedreht.
Der Titel: "Monaco,Italia. Geschichten vom Ankommen in Deutschland".

Das erste Mal hörte ich von diesem Film im Rundfunksender "Radio Colonia" vom WDR. Danach war klar, dass ich diesen Film unbedingt sehen will, denn einige Dinge, die von den interviewten Italienern erzählt werden, haben mich auch an die Geschichten meiner Schwester Giusi erinnert. Geschichten des Ankommens in Deutschland - mal ähneln sie sich und mal unterscheiden sie sich völlig voneinander. Aber eines haben sie alle gemeinsam: es sind immer interessante Geschichten. Und deshalb möchte ich diesen Film hier gerne vorstellen und habe Herrn Melazzini 8 Fragen gestellt, die er überaus freundlich beantwortet hat:


Foto: www.monacoitalia.com

Mamma Maria!: Sie haben 2010 einen Dokumentarfilm über Geschichten der Ankunft italienischer Gastarbeiter in München gedreht. Erinnern sie sich an ihre eigene Ankunft in Deutschland? Was war Ihr erster Eindruck und inwiefern unterschied sich Ihre Ankunft von denen der interviewten Migranten in Ihrem Film?

Alessandro Melazzini: Mein erster Eindruck ist Sommer und Freibier im Biergarten. Das war der Willkommensgruß meiner bayerischen Familie, die mich 1991 während meines dreiwöchigen Aufenthalts zwecks Sprachen lernen betreute. Ich war 17 und fing damals an zu verstehen, dass Deutschland eigentlich nicht so schlecht und grau sein sollte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das erste Mal in Deutschland war also für mich ein Erlebnis: nette Menschen, grüne Wiesen, schönes München, währenddessen alle Interviewten meines Dokumentarfilmes hierher kamen, um Arbeit und eine bessere Zukunft zu finden. Der Unterschied ist also riesig.

Mamma Maria!: Interessant ist, dass "Schnee" vor allem für Süditaliener eines der ungewöhnlichsten Dinge ist, die sie in Deutschland plötzlich zu sehen bekommen. Das hört man von einem Protagonisten in Ihrem Film. Auch meine Schwester Giusi hat eine kleine Geschichte über dieses weiße Wunder – für Deutsche völlig gewöhnlich– für mein Kochbuch geschrieben. Was war für Italiener noch völlig fremd, als sie in Deutschland ankamen?

Alessandro Melazzini: Die Sprache und das Essen. Mir dagegen ist Schnee immer ein vertrauter Begriff gewesen, denn ich komme aus Veltlin in der Lombardei, wo man im Sommer am Stilfserjoch Skifahren kann.

Mamma Maria!: Wie sind sie zu den italienischen Migranten im Film gekommen? Waren das Bekannte von Ihnen, Freunde von Bekannten oder ganz fremde Menschen?

Alessandro Melazzini: Der Astrophysiker Claudio Cumani ist ein guter Freund von mir, der sich auch als Assistent während der Drehphase zur Verfügung gestellt hat und mit dem ich den Film in Italien während der italienischen Premiere zusammen vorgestellt habe. Bei Maria De Sena bin ich Stammkunde und da habe ich immer gedacht, Mensch, man sollte einen Doku über Sie drehen! Die Unternehmerin Laura Krainz-Leupoldt habe ich dank der Vermittlung von Alessandro Marino, der italienischen Handelskammer in München, kennengelernt. Auf die anderen Protagonisten bin ich dank Empfehlung von Claudio Cumani gekommen.

Mamma Maria!: Der Film wurde Anfang dieses Jahres in Rom im Goethe-Institut uraufgeführt. Haben Italiener, die in Italien leben, Interesse an den Geschichten ihrer Landsleute im Ausland?

Alessandro Melazzini: Nicht alle, aber viele, und immer mehr, auch weil seit einigen Jahren immer mehr junge gebildete Italiener ihre Heimat aufgrund der mangelnden Chancen und der peinlichen politischen Lage verlassen. Wer bleibt, träumt sie nachzuahmen, denn man hört inzwischen vieles Positives über Deutschland. Und Berlin ist sowieso modisch geworden.

Mamma Maria!: Woher kam Ihre Motivation den Film zu produzieren? Gab es einen Auslöser, einen ausschlaggebenden Moment für die Idee?

Alessandro Melazzini: Die Motivationen, den Film zu drehen, sind viele. Erstmals wollte ich die interessanten Geschichten meiner Protagonisten erzählen, z.B. Maria De Sena, denn ich fand sie einfach toll.


Foto: www.monacoitalia.com

Zweitens wollte ich einen Beitrag zum 150° Jahrestag Italiens leisten, und dabei die Italiener in Italien erinnern, dass Italien nicht am Brenner endet.

Drittens wollte ich den Deutschen ihre italienischen Mitbürger näher bringen, indem ich sie auch über ihre Beziehung zu Deutschland interviewe, und zwar in der italienischen Sprache, damit sie sich wohler und aufgeschlossenen fühlen.

Viertens wollte ich mich mit der Filmschaffung an sich beschäftigen, denn bisher hatte ich Deutschland nur mit dem Wort (als Kulturkorrespondent für italienische Zeitungen) beschrieben. Produziert habe ich den Film selber, aufgrund der Tatsache, dass keiner mir Geld für ein solches Projekt gegeben hätte, denn ich war unerfahren und kannte niemand in der Filmproduktion, sondern nur den römischen Cutter Paolo Turla, der mich großzügig bei diesem Projekt unterstützt hat.


Foto: www.monacoitalia.com

Mamma Maria!: Wo werden wir den Film in Deutschland sehen können? Wird es für die Deutschen einen Untertitel geben?

Alessandro Melazzini: Untertiteln gibt es bereits ins Deutsche, Englische und Französische. Die Münchener Premiere wird binnen Juli stattfinden, dann wird der Film überall touren, unter anderem in den Italienischen Kulturinstituten und überall wo ein Verein eine Projektion organisieren möchte. Glauben Sie mir: es lohnt sich!

Mamma Maria!: Eine Aussage eines Protagonisten im Film hat mir persönlich sehr gut gefallen: "Sich in Deutschland integrieren, heißt auch das deutsche Essen zu essen". Was ist ihr deutsches Lieblingsessen?

Alessandro Melazzini: Maultaschen, Käsespätzle, Kurbissuppe, Schweinebraten, Weißwürste und und und. Übrigens in Deutschland habe ich auch viele italienische Produkte zum ersten Mal verkostet. Als ich in Heidelberg studierte, entdeckte ich zum Beispiel den „Pecorino Romano“, den ich nie vorher gegessen hatte.

Mamma Maria!: Und zum Schluss: was kocht Ihre Mamma am liebsten?

Alessandro Melazzini: Was meinem Vater gefällt. Ich selber mag Ihren Risotto Rosso und den Tiramisu, letzteren bekomme ich aber nur einmal pro Jahr auf den Tisch und zwar am meinen Geburtstag, falls ich zu Ihr fahre.

Vielen Dank an Herrn Melazzini für das Interview!

Der Filmtrailer:




Weitere Infos zum Film:
Monaco,Italia. Geschichten vom Ankommen in Deutschland. Monaco,Italia. Storie di arrivi in Germania.

www.monacoitalia.com
www.facebook.com/pages/Monaco-Italia/

Deutsche Premiere in Vorbereitung!

Weitere Infos:
www.melazzini.com
www.alpenway.com