
Marias eingelegte Auberginen
" Doch bevor ich nach Amerika zurückkehre, will ich nach Sizilien reisen, um meinen Italienaufenthalt abzurunden. Denn wie sagte Goethe? >>Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: Hier erst ist der Schlüssel zu allem.<<
Also setze ich mich sonntags in den Zug und fahre an die Stiefelspitze der italienischen Halbinsel. Dort besteige ich eine Fähre und setze nach Messina über. (Messina ist eine beängstigende und argwöhnische Hafenstadt, die hinter verbarrikadierten Türen zu jammern scheint: >>Dass ich hässlich bin, ist nicht meine Schuld! Ich hab Erdbeben und Flächenbombardierungen erlebt, und obendrein wurde ich von Mafiosi vergewaltigt!<<) Sobald ich in Messina bin, muss ich einen Busbahnhof (verrußt wie eine Raucherlunge) ausfindig machen sowie den Mann, dessen Job es ist, hinter dem Ticketschalter zu sitzen (wo er sein Leben beklagt), und ihn beknien, mir eine Fahrkarte nach Taormina zu verkaufen. Dann rattere ich die Klippen und Strände der sizilianischen Ostküste entlang, bis ich Taormina erreiche, wo ich zuerst ein Taxi und dann ein Hotel suche. Zuletzt muss ich dann noch den richtigen Menschen finden, dem ich meine Lieblingsfrage stellen kann: >>Wo isst man denn hier am besten?<<
Das Restaurant entpuppt sich als kleine Trattoria. Die freundliche ältere Inhaberin steht ohne Schuhe auf einem Tisch und putzt die Fenster, immer darauf achtend, dass sie nicht die Weihnachtskrippe umstößt. Ich benötige keine Speisekarte, sage ich ihr, sie solle mir nur bitte-da dies mein erster Abend auf Sizilien sei-das Beste bringen, was sie hätten. Vergnügt reibt sie sich die Hände und schreit ihrer noch älteren Mutter in der Küche etwas auf Sizilianisch zu, und schon nach zwanzig Minuten bin ich eifrig dabei, das zweifellos erstaunlichste Mahl zu verspeisen, das mir bisher in Italien serviert wurde. es ist Pasta, aber in einer Form, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe-große, frische Teigblätter, die ravioliartig zur Form (wenn auch nicht zur Größe) einer Bischofsmütze gefaltet sind, gefüllt mit einem aromatischen Püree aus Oktopus und Tintenfisch, die angemacht mit frischen Muscheln und Gemüsejulienne wie ein heißer Salat, in einer nach Oliven und Ozean schmeckenden Brühe serviert werden. Gefolgt von einem in Thymian geschmorten Kaninchen."
weiterlesen>>>....Elisabeth Gilbert, EAT PRAY LOVE, 2010 BvT Berliner Taschenbuch Verlags GmbH