
12.September 2009. Heute geht es nach Ferla und somit zu den Monti Iblei. Die Region des Johannisbrotbaumes. Es wird der schönste Tag, denn hier scheint es etwas zu geben, das schwer in Worte zu fassen ist.
Die Straßen werden holpriger, enger und die Gegend immer stiller und friedlicher. Und dann auf einmal, ganz tief drin in den Monti Iblei, erscheint eine kleine Vogelart, die unser Auto mit schwimmenden Bewegungen, fast delphinengleich, begleitet. Ich vermute es ist der
codibugnolo siciliano, der in dieser Gegend heimisch ist. Was für ein Vogel! Und da muß ich an
Anna Giordano denken.
Und dann überall Windräder. An einer Kurve steigen wir aus. Die Atmosphäre hier oben ist unbeschreiblich schön! Man könnte hier für immer verweilen.


Aber wir fahren weiter. Nach Ferla mit seinen 2816 Einwohnern. Dieses Dorf, das zur Provinz Syrakus gehört, begrüßt ihre Besucher am Dorfeingang mit einem verwunschenen Friedhof.




In Ferla ist es ebenso ausgestorben. Sauber, ruhig, leer. Nichts hat offen. Wir können also nichts essen, nichts trinken. Das macht nervös und die Hitze an diesem Tag verschlimmert alles. Also fahren wir weiter.

Ein kleines Dorf mit reichlich Kirchen. Auf 352 Bewohner kommt eine Kirche...
Chiesa di San Sebastiano
Chiesa di Sant'Antonio Abate
Chiesa di San Giacomo
Chiesa del Carmelo
Chiesa di Santa Sofia
Convento dei Frati Minori Cappuccini
Chiesa di Santa Maria di gesù, Convento dei Frati Minori Riformati
Chiesa della Madonna delle Grazie


Es geht weiter nach Pantàlica, zu den Sikulern, zu meinen Vorfahren!

"Dann, hinter Ferla, übernehmen Gebirge und Einsamkeit die Herrschaft, mit Felsen wie kariöse Riesenzähne und Schluchten wie gewaltsame Eingravierungen der Natur - biblisch, eine Landschaft zum Fürchten. Und dann plötzlich liegen sie da, über der Cava Grande des Flusses Calcinara und dem Tal des Anapo, ein Anblick, auf den niemand vorbereitet sein kann: die Kammergräber einer gigantischen Nekropole, die Höhlen von Pantàlica - 5000 sollen es sein!
In den Felsen geschlagen von Ursizilianern, den Sikulern; die ältesten um 1270 [...]Lauter rechteckige oder quadratische Löcher, Hunderte auf einen Blick, Öffnungen wie pupillenlose Augen, teils begehbar und zu erreichen, teils - wie nur? In steile Wände geschlagen, hoch über der Talsohle, ohne jede Möglichkeit, dahin zu gelangen. Inmitten dieses Gräberbezirks lag die Hauptstadt der Sikuler. [...]Vor mir, wohin ich auch sehe, Höhlen, Höhlen, Höhlen. An den Abhängen, auf den Plateaus, in den Steilwänden.Welcher Glaube hat die Menschen bewogen, dieses Bestattungslabyrinth über ein halbes Jahrtausend auszuhauen?"
Seite 89-90Ralph GiordanoSizilien, Sizilien! Eine HeimkehrKiepenheuer & WitschISBN.:978-3-462-03438-7
Wer sieht das grüne Auto?


Die Fahrt in die Monti Iblei und die Wanderung durch Pantàlica war so beeindruckend (beeindruckend über Tage hinaus), dass es mich sogar vergessen lassen hat, dass es in dieser Gegend nichts zu essen gab -außer ein paar Johannisbrote, die auf den Boden lagen, als wir unter dem Baum gingen, unter dem der einzige Mensch - außer uns- da war. Der freundlicher Wächter der Pantàlica, der ganz allein mit seinem Auto, bis Saisonende, unter einem Johannisbrotbaum seine Zeit verbringt.


Caramelle di CarrubeJohannisbrotbonbons
Aus gleichen Teilen Johannisbrot und Zucker und dem doppelten Anteil an Wasser, lassen sich die
caramelle di carrube herstellen. Viel Spaß beim experimentieren!
Il carubbo = Der Johannisbrotbaum
La carubba= Die Johannisbrotbaumfrucht
Noch mehr Essenswertes aus den
Monti Iblei, wie z.B.
Miele di Carrubo - Johannisbrotbaumhonig, finden Sie hier:
i sapori degli iblei